Lokale KI 2: Reicht mein Rechner? Die Hardware prüfen
Sie erfahren, warum der Speicher Ihres Rechners über lokale KI entscheidet, lesen Ihre eigenen Werte unter Windows oder macOS ab und ordnen Ihren Rechner einer von drei Ausstattungsklassen zu.
Ziel
Nach diesem Teil wissen Sie, welches Bauteil Ihres Rechners für lokale KI wirklich zählt. Sie lesen die entscheidenden Werte selbst ab – unter Windows oder auf dem Mac – und ordnen Ihren Rechner einer von drei Ausstattungsklassen zu. Diese Klasse brauchen Sie in Teil 4, wenn Sie das passende Modell auswählen.
Voraussetzungen
- Sie kennen das Vier-Schichten-Bild aus Lokale KI 1: Was lokale KI bedeutet und wann sie sich lohnt. In diesem Teil geht es um die unterste Schicht: die Hardware, also die Küche.
- Sie sitzen an dem Rechner, auf dem die KI später laufen soll.
Schritt für Schritt
Schritt 1: Verstehen, warum der Speicher entscheidet
Wenn es um schnelle Computer geht, denken die meisten an den Prozessor. Für lokale KI ist etwas anderes wichtiger: der Arbeitsspeicher, oft auch RAM genannt. Das ist der Speicher, in dem Ihr Rechner alles bereithält, woran er gerade arbeitet.
Bleiben wir im Bild der Küche. Der Arbeitsspeicher ist die Arbeitsfläche. Ein KI-Modell kann nur arbeiten, wenn es vollständig auf dieser Fläche liegt – so wie ein Koch das ganze Rezept und alle Zutaten vor sich ausbreiten muss. Und die Fläche gehört nicht der KI allein: Windows, Ihr Browser und Ihr E-Mail-Programm liegen dort ebenfalls.
Passt das Modell nicht mehr darauf, wird es entweder sehr langsam, weil der Rechner ständig umräumen muss, oder es startet gar nicht erst.
Neben der Arbeitsfläche gibt es noch die Festplatte, sozusagen die Vorratskammer. Dort liegen die Modelle, solange sie nicht benutzt werden. Rechnen Sie mit 3 bis 20 GB pro Modell. Planen Sie für den Anfang rund 30 GB freien Platz ein.
Schritt 2: Arbeitsspeicher und Grafikspeicher unterscheiden
Manche Rechner haben eine zweite, besonders schnelle Arbeitsfläche: den Speicher einer eigenen Grafikkarte. Fachleute nennen ihn Grafikspeicher oder VRAM, kurz für „Video-RAM“. Grafikkarten sind eigentlich für Bilder und Spiele gebaut. Zufällig können sie genau die Art von Rechnung, die eine KI braucht, um ein Vielfaches schneller ausführen als der normale Prozessor.
Für Sie ergeben sich daraus drei typische Fälle:
- Rechner ohne eigene Grafikkarte. Das ist bei den meisten Büro-Laptops der Fall. Die KI läuft dann auf dem Prozessor und nutzt den normalen Arbeitsspeicher. Das funktioniert, ist aber langsamer.
- Rechner mit eigener Grafikkarte von NVIDIA oder AMD, etwa ein CAD- oder Gaming-PC. Passt das Modell in den Grafikspeicher, läuft es dort und ist deutlich schneller.
- Mac mit Apple-Chip (M1 oder neuer). Hier teilen sich Prozessor und Grafik eine gemeinsame, große Arbeitsfläche. Deshalb sind Macs für lokale KI überraschend gut geeignet. Wer tiefer einsteigen möchte, findet mehr dazu in Lokale KI-Modelle auf dem neuen Mac Studio und Mac Mini - Speicher, Verbund und RDMA verstehen.
Schritt 3: Ihre Werte ablesen
Jetzt schauen Sie nach, was in Ihrem Rechner steckt. Das dauert keine zwei Minuten.
Unter Windows:
- Drücken Sie gleichzeitig Strg + Umschalt + Esc. Der Task-Manager öffnet sich.
- Klicken Sie links auf Leistung – das Symbol sieht aus wie eine kleine Kurve. Falls Sie nur ein schmales Fenster sehen, klicken Sie zuerst auf „Mehr Details“.
- Klicken Sie auf Arbeitsspeicher. Oben rechts steht die Gesamtgröße, zum Beispiel „16,0 GB“. Notieren Sie diese Zahl.
- Schauen Sie, ob es weiter unten einen Eintrag GPU mit dem Namen NVIDIA oder AMD Radeon gibt. Klicken Sie darauf und lesen Sie den Wert Dedizierter GPU-Speicher ab, zum Beispiel „12,0 GB“. Das ist Ihr Grafikspeicher.
Steht dort nur eine Intel-Grafik oder ein sehr kleiner Wert unter einem Gigabyte, hat Ihr Rechner keine eigene Grafikkarte, die für KI in Frage kommt. Das ist kein Problem – Sie gehören dann zur Klasse A.
Auf dem Mac:
- Klicken Sie oben links auf das Apple-Menü und wählen Sie Über diesen Mac.
- Lesen Sie zwei Zeilen ab: Chip – steht dort „Apple M1“ oder höher, sind Sie richtig – und Speicher, zum Beispiel „32 GB“.
Hinweis: Steht beim Mac statt „Chip“ ein Intel-Prozessor, ist lokale KI zwar möglich, aber sehr langsam. Die Programme aus Teil 3 setzen auf dem Mac einen Apple-Chip voraus oder laufen ohne ihn nur eingeschränkt.
Schritt 4: Ihren Rechner einer Klasse zuordnen
Mit Ihren Werten ordnen Sie Ihren Rechner jetzt einer von drei Klassen zu. Entscheidend ist die nutzbare Arbeitsfläche: der Teil des Speichers, der nach Abzug von Windows, macOS und Ihren übrigen Programmen für das Modell bleibt. Tippen Sie unten auf die Beschreibung, die zu Ihrem Rechner passt.
Dieselben Faustregeln noch einmal als Übersicht zum Nachschlagen:
| Klasse | Typischer Rechner | Nutzbare Arbeitsfläche | Was Sie erwarten dürfen |
|---|---|---|---|
| A | Büro-Laptop oder Büro-PC ohne eigene Grafikkarte | etwa die Hälfte des Arbeitsspeichers | brauchbar für Texte, Antwort etwa in Lesetempo |
| B | PC mit Grafikkarte von NVIDIA oder AMD | Grafikspeicher minus 1 bis 2 GB | zügig, auch mittlere Modelle |
| C | Mac mit Apple-Chip | etwa zwei Drittel des Speichers | flüssig, mit viel Speicher auch große Modelle |
Sabine hat nachgesehen: Ihr Laptop hat 16 GB Arbeitsspeicher und keine eigene Grafikkarte. Er gehört also zur Klasse A mit rund 8 GB Arbeitsfläche. Interessant ist der Rechner in der Arbeitsvorbereitung, auf dem die Konstruktionszeichnungen entstehen: Er hat eine NVIDIA-Grafikkarte mit 12 GB – Klasse B mit rund 10 GB. Sabine startet trotzdem auf ihrem eigenen Laptop, denn dort liegen ihre Texte.
Hinweis: Hat Ihr Rechner weniger als 8 GB Arbeitsspeicher, ist lokale KI kaum sinnvoll – die Modelle, die dann noch passen, sind für Büroaufgaben zu schwach. Falls ohnehin ein neuer Rechner ansteht: Achten Sie mehr auf den Speicher als auf den Prozessor. 32 GB sind ein guter Einstieg.
Zusammenfassung
- Für lokale KI zählt vor allem der Speicher – er ist die Arbeitsfläche, auf die das Modell vollständig passen muss.
- Eine eigene Grafikkarte bringt eine zweite, sehr schnelle Arbeitsfläche mit. Macs mit Apple-Chip teilen einen großen gemeinsamen Speicher und sind deshalb gut geeignet.
- Ihre Werte finden Sie unter Windows im Task-Manager, auf dem Mac unter Über diesen Mac. Damit ordnen Sie Ihren Rechner der Klasse A, B oder C zu.
Im nächsten Teil kommt der Koch in die Küche: Lokale KI 3: Ollama oder LM Studio – den KI-Motor auswählen und installieren.

