Wer auf fallende Hardwarepreise wartet, wartet bis 2028
Arbeitsspeicher und Grafikkarten werden in den nächsten zwölf Monaten langsamer teurer, aber nicht billiger, und selbst gebrauchte Hardware hat sich binnen eines Jahres etwa verdoppelt.
Wer im Herbst 2026 Hardware für lokale KI anschaffen will, hört derzeit oft denselben Rat: lieber ein paar Monate warten, bis sich der Speichermarkt beruhigt. Ich halte das für die teurere Entscheidung. Nach allem, was Marktforscher und Hersteller über Kapazitäten und Nachfrage sagen, steigen die Preise für Arbeitsspeicher und Grafikkarten in den kommenden zwölf Monaten langsamer, aber sie fallen nicht. Und der Ausweg über den Gebrauchtmarkt ist inzwischen ebenfalls verstopft.
Wo die Preise heute stehen
Ein 32-GB-Kit DDR5 kostet in den USA Ende September mindestens rund 429 Dollar, vor der Knappheit waren es etwa 95. Die günstigste GeForce RTX 5090 liegt im deutschen Handel bei rund 5.000 Euro, Mitte 2025 waren es 2.400. Mittelklasse-Grafikkarten haben weniger zugelegt, laut PC Games Hardware seit Januar 2026 rund 18 bis 25 Prozent.
Warum die Fabriken so schnell nicht helfen
Die Ursache ist kein Lieferkettenstau, der sich von selbst auflöst, sondern eine Umverteilung. HBM, der gestapelte Speicher auf KI-Beschleunigern, verbraucht pro Bit ein Vielfaches an Wafer-Fläche, und die Hersteller lenken ihre Kapazität dorthin, wo die Marge liegt. HBM und Server-Module belegen 2026 laut TrendForce zusammen gut die Hälfte des gesamten DRAM-Angebots. Für PC-Speicher rechnet TrendForce sogar mit einem schrumpfenden Angebot.
Neue Werke sind im Bau, aber eine Speicherfabrik braucht zwei bis drei Jahre vom Spatenstich bis zum ersten Wafer. SK hynix fährt sein Werk M15X in Cheongju 2027 auf rund 80.000 Wafer pro Monat hoch, ein guter Teil davon geht in HBM. In den ersten Reinraum des neuen Standorts Yongin ziehen ab Februar 2027 Anlagen ein. TrendForce erwartet einen spürbaren Effekt der neuen Kapazität erst in der zweiten Jahreshälfte 2027, einen erheblichen Teil erst 2028.
Die Kurve flacht ab, aber sie kippt nicht
Die hoffnungsvollste Zahl dieses Herbstes ist zugleich die nüchternste. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Kontraktpreise für herkömmliches DRAM, also die Preise in Lieferverträgen zwischen Herstellern und Großabnehmern, um 93 bis 98 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das vierte Quartal erwartet TrendForce nur noch 10 bis 15 Prozent. Das ist eine Verlangsamung, aber jeder dieser Aufschläge kommt auf den vorigen obendrauf.
Die Nachfrage gibt keinen Anlass, mit einer Wende zu rechnen. Die großen Cloud-Anbieter erhöhen ihre Investitionen laut TrendForce 2026 um 98 Prozent und 2027 um weitere 50 Prozent. Agentische Anwendungen verschieben die Last vom Training zur Inferenz und brauchen dafür mehr Arbeitsspeicher pro Server. Bei Grafikkarten fehlt zudem jeder Wettbewerbsdruck: Nvidia hat 2026 keine neue GeForce-Karte vorgestellt, und nach übereinstimmenden Branchenberichten erscheinen RTX 60 und AMDs nächste Radeon-Generation größtenteils erst 2028.
Die zweite Welle kommt aus den Geräten
Bis hierher ging es um Rechenzentren. Die zweite Nachfragequelle steht näher am Schreibtisch: KI, die direkt auf PC, Smartphone oder Workstation läuft. Sie wirkt weniger über mehr Geräte als über mehr Speicher pro Gerät. Ein KI-PC, auf dem lokale Agenten arbeiten sollen, braucht mindestens 16 GB Arbeitsspeicher, 32 GB werden zum Standard.
Im Moment bremst diese Welle eher, als dass sie treibt. IDC erwartet für 2026 rund elf Prozent weniger ausgelieferte PCs, Gartner rund zehn Prozent weniger PCs und gut acht Prozent weniger Smartphones. Unternehmen nutzen ihre Rechner laut Gartner bis Ende 2026 rund 15 Prozent länger, Privatkunden 20 Prozent länger, und die Marke von 50 Prozent Marktanteil erreichen KI-PCs nach Gartners Schätzung erst 2028. Das verschiebt die Nachfrage, es beseitigt sie nicht. Der aufgestaute Ersatzbedarf wird ausgerechnet dann fällig, wenn die neuen Fabriken liefern, und jedes neue Gerät hat mehr Speicher als sein Vorgänger. IDC rechnet deshalb nicht damit, dass PC-Preise auf das Niveau von 2025 zurückkehren, auch wenn die Kapazität wächst.
Für lokale KI im Betrieb kommt ein zweiter Effekt hinzu. Die Geräte, die große Modelle mit gemeinsamem Arbeitsspeicher für Prozessor und Grafikeinheit betreiben, also Mac Studio, Rechner mit AMDs Strix-Halo-Chip oder Nvidias DGX Spark, nutzen LPDDR5X. Nach TrendForce treiben KI-Server inzwischen auch die Nachfrage nach genau diesem Speichertyp. Lokale KI-Hardware konkurriert damit direkt mit den Rechenzentren um denselben Speicher, und das zeigt sich im Preis.
Das stärkste Gegenargument
Speicher ist ein Zyklusgeschäft, und Zyklen drehen. Nach TrendForce-Rechnung entfiele 2027 mehr als zwei Drittel der Investitionen großer Cloud-Anbieter auf Speicher. Das ist kaum dauerhaft tragbar. Kürzt einer der großen Abnehmer seine Pläne und lösen sich die vorsorglich angelegten Lager auf, können die Spotpreise schneller fallen, als es jede Prognose vorsieht.
Ich nehme das ernst. Nur beginnt ein solcher Einbruch auf dem Vier- bis Fünffachen des Vorkrisenniveaus, und die neue Kapazität kommt trotzdem erst ab Ende 2027 – genau dann, wenn der aufgeschobene Ersatzbedarf bei PCs und Smartphones fällig wird. Wer wartet, wettet auf den Einbruch. Wer kauft, zahlt einen hohen, aber bekannten Preis und kann sein Projekt beginnen. Eine Ausnahme gibt es: Für SSD-Speicher erwartet TrendForce ab der zweiten Jahreshälfte 2027 ein lockereres Angebot. Wer vor allem Plattenplatz braucht, darf warten.
Auch gebraucht ist es teurer geworden
Bleibt der Gebrauchtmarkt. Die RTX 3090, sechs Jahre alt und wegen ihrer 24 GB Grafikspeicher bei lokaler KI beliebt, kostete auf eBay USA im Januar 2026 im Median 639 Dollar. Anfang September lag der Durchschnitt der Angebote bei 1.343 Dollar. In Deutschland liegen private Auktionen niedriger, die Richtung ist dieselbe. Beim Serverspeicher sieht es nicht anders aus: Für 256 GB gebrauchten DDR4-Serverspeicher haben wir Anfang September rund 1.500 Euro recherchiert.
Wer auf fallende Hardwarepreise wartet, wartet nach heutiger Datenlage bis 2028 – und bezahlt die Wartezeit mit einem KI-Projekt, das nicht beginnt.
Für unseren eigenen Katalog haben wir daraus eine Konsequenz gezogen. Ein großer Teil der Systeme, die wir anbieten, ist inzwischen aufbereitete Rechenzentrumstechnik: etwa ein Supermicro-Server mit zehn RTX 3090 und 240 GB Grafikspeicher, Server mit acht Tesla V100 oder mit RTX 3080 in der 20-GB-Variante sowie eine Workstation mit zwei RTX 3090. Diese Generation ist nicht schneller als aktuelle Karten. Aber ihr Grafikspeicher ist lieferbar, und das ist 2026 das knappere Gut.
Weiterlesen
- Lokale Modelle sind kein Datenschutz-Kompromiss – warum sich der Betrieb im eigenen Haus auch jenseits der Hardwarefrage rechnet
- Google kann die Gemini-Nachfrage nicht mehr decken – dieselbe Knappheit, gesehen aus der Cloud
Quellen
TrendForce: AI Server Demand Sustains Memory Contract Price Increases in 4Q26 — 30.09.2026
TrendForce: Rapid Contract Price Surge Drives 1Q26 DRAM Industry Up 81% QoQ — 01.06.2026
TrendForce: Memory Prices Soar; DRAM and NAND Flash to Account for 68% of Major CSP CapEx in 2027 — 25.08.2026
TrendForce: Diverging Memory Market Outlook in 2027 — 30.07.2026
TrendForce: DRAM Industry Analysis 3Q26 — 04.09.2026
TrendForce: SK hynix Reportedly to Double DRAM Capacity to 1M Monthly Wafers by 2030 — 05.06.2026
TrendForce: SK hynix Starts Yongin Y1 Equipment Orders — 14.07.2026
IDC: PC Market Enters Volatile Territory as Memory Shortage Persists Through 2027
Gartner: Surging Memory Costs Will Reduce Global PC and Smartphone Shipments in 2026 — 26.02.2026
PC Games Hardware: Grafikkarten-Preis-Analyse vor der RAM-Krise gegenüber heute — 08.09.2026
Capital & Compute: RAM Price Index 2026 — Stand 26.09.2026
runaihome.com: Best Local LLMs for 128GB Unified Memory in 2026 — Preisstand August 2026
ComputingForGeeks: Best Mini PC for Local AI and Running LLMs — Preisstand 13.08.2026
Tom's Hardware: Nvidia will not release any new RTX gaming GPUs in 2026
pcprice.watch: Are GPU Prices Going Up in 2026? — eBay-Medianwerte Januar bis Juni 2026
ResalePrices: RTX 3090 Used GPU Price — Stand 04.09.2026
Eigene Recherche zu Gebrauchtpreisen für DDR4-Serverspeicher, 01.09.2026

