MCP 2026-07-28: Das Protokoll für KI-Werkzeuge wird zustandslos — und verlangt dafür einen Umbau

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Die am 28. Juli 2026 veröffentlichte MCP-Spezifikation streicht Sitzungen und Handshake, damit Werkzeug-Server wie gewöhnliche Webdienste skalieren, und verlangt dafür Umbauten von allen, die eigene Server betreiben.

Die Maintainer des Model Context Protocol (MCP) haben am 28. Juli 2026 die Spezifikation mit der Versionskennung 2026-07-28 veröffentlicht. MCP ist der offene Standard, über den KI-Anwendungen wie Claude, ChatGPT oder Entwicklungsumgebungen externe Werkzeuge und Datenquellen ansprechen. Die neue Fassung streicht Sitzungen und den einleitenden Handshake und enthält nach Aussage der Maintainer bewusst inkompatible Änderungen gegenüber der Vorversion vom 25. November 2025.

Was sich ändert

Zustandslos statt Sitzung. Bisher begann jede Verbindung mit einem initialize-Handshake, der Server vergab eine Sitzungskennung (Mcp-Session-Id) und musste sich merken, welcher Client mit welchen Fähigkeiten verbunden war. Beides entfällt. Jede Anfrage trägt Protokollversion, Client-Fähigkeiten und Absenderkennung nun selbst im Metadatenfeld _meta. Welche Versionen und Fähigkeiten ein Server unterstützt, kann der Client über die neue Pflichtmethode server/discover erfragen. Braucht ein Server über mehrere Aufrufe hinweg Zustand, gibt er dafür eigene Kennungen aus, die als gewöhnliche Werkzeugparameter zurückkommen.

Rückfragen ohne offene Leitung. Bisher konnte ein Server mitten in einem Werkzeugaufruf selbst Anfragen an den Client stellen — etwa eine Eingabe beim Nutzer einholen (Elicitation). Das setzte eine offen gehaltene Verbindung voraus. An diese Stelle tritt das Muster „Multi Round-Trip Requests": Der Server beendet den Aufruf mit dem Ergebnistyp input_required und listet, was ihm noch fehlt; der Client holt die Angaben ein und stellt die ursprüngliche Anfrage erneut, ergänzt um die Antworten. Zwischenstände legt der Server in ein undurchsichtiges Feld requestState, das der Client unverändert zurückreicht.

Routing, Caching, Nachvollziehbarkeit. HTTP-Anfragen tragen künftig die Pflicht-Header Mcp-Method und Mcp-Name, sodass Gateways und Web Application Firewalls Aufrufe zuordnen und abrechnen können, ohne den JSON-Inhalt zu lesen. Werkzeug- und Ressourcenlisten erhalten eine Gültigkeitsdauer (ttlMs) und eine Angabe, ob gemeinsame Zwischenspeicher sie vorhalten dürfen (cacheScope). tools/list soll zudem in stabiler Reihenfolge antworten, was den Prompt-Cache des Sprachmodells schont. Die Weitergabe von OpenTelemetry-Kontext für verteilte Ablaufverfolgung ist nun dokumentiert. Änderungsmeldungen laufen gebündelt über einen einzigen Kanal, subscriptions/listen.

Anmeldung. Mehrere Änderungen schärfen die OAuth-Anbindung: Clients müssen den vom Autorisierungsserver mitgelieferten Aussteller (iss, nach RFC 9207) prüfen, bevor sie einen Code einlösen; Zugangsdaten gelten nur noch gegenüber dem Server, der sie ausgestellt hat; die dynamische Client-Registrierung (RFC 7591) wird zugunsten sogenannter Client ID Metadata Documents abgekündigt. Das zielt auf Verwechslungsangriffe in genau der Lage, die MCP fördert — ein Client spricht mit vielen Servern.

Erweiterungen und Abkündigungen. Die bislang experimentellen Tasks für lang laufende Aufträge wandern aus dem Kern in eine offizielle Erweiterung, neben MCP Apps und Enterprise Managed Authorization. Abgekündigt sind die Funktionen Roots, Sampling — bei dem der Server über den Client ein Sprachmodell rechnen lässt — und Logging sowie der ältere HTTP+SSE-Transport. Neu ist eine formale Regel: Abgekündigte Funktionen bleiben mindestens zwölf Monate erhalten. Ersatzlos entfällt dagegen die Wiederaufnahme abgebrochener Antwortströme; reißt eine Antwort ab, stellt der Client die Anfrage neu.

Wer mitzieht

Laut Ankündigung unterstützen die vier Tier-1-SDKs für TypeScript, Python, Go und C# die neue Fassung ab dem Veröffentlichungstag, das Rust-SDK als Beta. Die monatlichen Downloads dieser SDKs beziffert das Projekt selbst auf annähernd eine halbe Milliarde. AWS, Cloudflare, Google Cloud, Microsoft, OpenAI und weitere Anbieter haben die Fassung begrüßt und Unterstützung angekündigt — Zusagen, noch keine ausgelieferten Produkte. Bereits am 29. Juni hatte das Projekt erklärt, bestehende Clients und Server brächen weder sofort noch am 28. Juli: Clients auf den neuen SDKs fallen bei älteren Servern auf den bisherigen Handshake zurück.

Hinweis in eigener Sache: MCP wurde von Anthropic entwickelt und im Dezember 2025 an die Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation übergeben. thoughtflash betreibt selbst MCP-Server und setzt in der Redaktion Claude ein.

Einordnung

Die neue Spezifikation macht aus einem KI-Werkzeug einen gewöhnlichen Webdienst — den Umbau dafür bezahlen die Betreiber eigener Server.

Der Kern der Überarbeitung ist ein betrieblicher, kein funktionaler. Ein zustandsloser Server lässt sich hinter einen einfachen Lastverteiler stellen, serverlos betreiben und in die Breite skalieren, ohne gemeinsamen Sitzungsspeicher und ohne dass Anfragen an eine bestimmte Instanz gebunden bleiben. Damit wird MCP zu etwas, das eine IT-Abteilung mit vorhandenen Mitteln betreiben kann. Pflicht-Header und Cache-Angaben gehen in dieselbe Richtung: Sie machen MCP-Verkehr für bestehende Infrastruktur lesbar, für Firewall, Proxy und Abrechnung.

Die Kosten liegen an anderer Stelle. Wer eigene Server geschrieben hat, muss Sitzungslogik umbauen und Rückfragen auf das neue Muster umstellen. Die Spezifikation behandelt requestState ausdrücklich als vom Angreifer kontrollierbare Eingabe und verlangt Integritätsschutz, sobald das Feld Berechtigungen oder Geschäftslogik berührt. Was der Server früher im Speicher hielt, muss er nun signieren, befristen und an den angemeldeten Nutzer binden. Das ist lösbar, aber eine neue Fehlerquelle. Wer Sampling nutzte, um Modellaufrufe über den Client laufen zu lassen, verliert diesen Weg mittelfristig und soll Sprachmodelle direkt anbinden.

Betrifft Sie das, und wann? Wenn Sie MCP-Server nur nutzen — etwa über Claude, ChatGPT oder eine Entwicklungsumgebung —, zunächst nicht; die Umstellung liegt bei Ihren Anbietern. Wenn Sie eigene Server betreiben, etwa als Anbindung an Workflow-Werkzeuge wie n8n, ERP oder Dokumentenablage, lohnt eine Bestandsaufnahme: Nutzt der Server Sitzungen, Sampling, Roots oder Logging, und wo hält er Zustand? Die Zwölfmonatsfrist gibt Planungsraum, aber keinen Grund zum Aufschieben. Wer MCP-Anbindungen einkauft, kann den Anbieter fragen, ab wann er die Fassung 2026-07-28 unterstützt.

Zu beobachten bleibt, wie schnell die großen Clients umstellen und ob die Maintainer bei ihrer Aussage bleiben, dass ein Bruch dieser Größe die Ausnahme sein soll.


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Quellen

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