Langdock holt seine Muttergesellschaft aus den USA zurück und plant ein Rechenzentrum in Europa
Das Berliner KI-Start-up Langdock verlegt den Sitz seiner Muttergesellschaft aus Delaware nach Deutschland und wandelt sie in eine SE um, doch die Modelle großer Anbieter laufen weiterhin bei US-Konzernen.
Das Berliner KI-Start-up Langdock verlegt den rechtlichen Sitz seiner Muttergesellschaft von den USA nach Deutschland und wandelt sie in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) um. Das berichteten Handelsblatt und dpa am 16. September 2026; als Grund nennt das Unternehmen die Vorbehalte von Firmenkunden gegenüber US-Gesetzen wie dem Cloud Act.
Was sich an der Struktur ändert
Bisher gehörte die Langdock GmbH in Berlin vollständig einer Langdock Inc. mit Sitz im US-Bundesstaat Delaware. Das geht aus dem Handelsregister hervor, worauf der Zürcher Anwalt Martin Steiger im Juni 2026 hingewiesen hatte. Eine solche Konstruktion ist bei Start-ups üblich, die – wie Langdock – das Programm des US-Investors Y Combinator durchlaufen haben: Amerikanische Geldgeber verlangen häufig eine Holding in Delaware.
Diese Holding wird nun zur SE mit Sitz in Deutschland, einer Rechtsform nach EU-Recht, die in allen Mitgliedstaaten gilt. Der Umbau kostet nach einem Bericht von Euronews mehrere Millionen Euro und läuft laut Unternehmen seit Anfang 2026. Rund 80 Prozent der Anteile liegen nach eigenen Angaben bei Gründern und Mitarbeitenden in der EU. Geführt wird Langdock von den Co-Chefs Lennard Schmidt und Judith Dada; gegründet wurde es 2023.
Der Cloud Act ist ein US-Gesetz von 2018, das US-Behörden unter bestimmten Bedingungen erlaubt, von amerikanischen Unternehmen Daten zu verlangen – auch wenn die Server außerhalb der USA stehen. Daneben nennt Langdock den Patriot Act. Ob eine US-Mutter tatsächlich zur Herausgabe gezwungen werden kann, hängt davon ab, ob sie die Daten rechtlich oder technisch „kontrolliert"; das ist juristisch nicht abschließend geklärt.
Zahlen und Pläne – Angaben des Unternehmens
Langdock bietet Unternehmen einen Zugang zu Sprach- und Bildmodellen verschiedener Anbieter, ergänzt um Anbindungen an Firmendaten und Agenten. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 13.000 Unternehmen die Plattform, darunter Merck und Trumpf; das Unternehmen arbeite profitabel. Beim wiederkehrenden Jahresumsatz weichen die Angaben ab: dpa nennt mehr als 50 Millionen Euro, Euronews 50 Millionen Dollar (rund 42 Millionen Euro, Stand August 2026). Keine der Zahlen ist extern geprüft.
Zugleich kündigt Langdock ein eigenes Rechenzentrum in Deutschland an, auf dem offene Modelle laufen sollen. Die Investition beziffert das Unternehmen auf 10 bis 15 Millionen Euro, der Start soll noch 2026 erfolgen. Langfristig will Langdock zum europäischen „Hyperscaler" werden – ein Begriff für Cloud-Anbieter von der Größe von AWS, Microsoft oder Google. Für diesen Anspruch ist die angekündigte Summe bescheiden; auch der ebenfalls europäische Modellanbieter Mistral sammelte zuletzt drei Milliarden Euro ein, um eigene Rechenkapazität aufzubauen.
Der Sitzwechsel beantwortet die Frage, wem Langdock gehört – nicht die Frage, in wessen Rechenzentren Ihre Prompts verarbeitet werden.
Betrifft mich das, und wann?
Wenn Sie Langdock einsetzen oder prüfen, fällt mit der SE eine Ebene der US-Kontrolle weg: die Eigentümerkette. Das vereinfacht die Datenschutzprüfung, sobald der Umbau vollzogen und im Register eingetragen ist.
Unverändert bleibt die zweite Ebene. Langdock selbst führt Microsoft Azure, Google Cloud, AWS und OpenAI als Unterauftragsverarbeiter, also als Dienstleister, die Daten im Auftrag verarbeiten – zwar mit Hosting in der EU, aber als US-Konzerne ihrerseits im Geltungsbereich des Cloud Act. Wer GPT-, Gemini- oder Claude-Modelle über Langdock nutzt, verlässt sich also weiterhin auf US-Infrastruktur, unabhängig vom Sitz der Langdock-Mutter.
Für die Praxis heißt das: Prüfen Sie im Auftragsverarbeitungsvertrag, welches Modell bei welchem Unterauftragnehmer läuft, und trennen Sie danach, welche Daten dorthin dürfen. Ob das angekündigte deutsche Rechenzentrum für sensible Daten eine echte Alternative wird, lässt sich erst beurteilen, wenn es läuft und bekannt ist, welche offenen Modelle dort bereitstehen. Dass lokale und offene Modelle kein Datenschutz-Kompromiss sein müssen, ist dabei keine neue Einsicht – neu ist, dass ein schnell wachsender Plattformanbieter sie zum Verkaufsargument macht.
Der Prüfstein für die kommenden Monate ist deshalb weniger die Rechtsform als die Frage, ob offene Modelle im eigenen Rechenzentrum bei Langdock zur Standardeinstellung werden oder eine Zusatzoption bleiben.
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- Lokale Modelle sind kein Datenschutz-Kompromiss – warum eigene Infrastruktur die Datenschutzfrage anders stellt
- Mistral sammelt drei Milliarden Euro ein – wie Europas größter Modellanbieter Rechenkapazität finanziert
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Quellen
Tagesspiegel/dpa: Gegen den Trend: KI-Start-up Langdock verlegt Sitz nach Deutschland (16.09.2026)
Handelsblatt: KI-Start-up Langdock verlegt Hauptsitz von den USA nach Deutschland (16.09.2026)
HORIZONT: Wegen Rechtsrisiken in den USA: KI-Start-up Langdock verlegt Sitz nach Deutschland (16.09.2026)
Euronews: German AI start-up spends millions to move parent company from the US (16.09.2026)
Steiger Legal: Wie deutsch ist Langdock unter amerikanischer Kontrolle? (19.06.2026)

